Schließlich ist die Lebensmittelindustrie stets darauf bedacht, uns immer wieder neue und altbekannte Nahrungsmittel schmackhaft zu machen. Das macht sie natürlich nur für uns. Die Werbung für Lebensmittel verspricht dabei üblicherweise keine Sättigung, sondern vermittelt vielmehr ein Lebensgefühl, das beim Genuss dieses Lebensmittels entstehen soll. Wie schön ist das denn - und wie einfach dazu? Der Satz "Ich bin, was ich esse" bekommt hier noch einmal eine ganz besondere Bedeutung.
Es gibt Süßigkeiten, die in der Werbung als gleichwertiger Ersatz für eine Zwischenmahlzeit präsentiert werden, und somit könnte man schlussfolgern, mit diesen Süßigkeiten vielleicht doch satt werden zu können. Ich frage mich allerdings, für wie naiv uns die Hersteller halten mögen. Ein gesundes Pausenbrot ist ein gesundes Pausenbrot, das mit einem ausgewogenen Verhältnis von guten Kohlenhydraten, Fetten, Eiweiß und Vitaminen daher kommt. Ein Schokoriegel ist eine Nascherei, die übermäßig viel Zucker und Fett enthält und meist schon alleine aufgrund der Portionsgröße nicht zu sättigen vermag. Auch vom Volumen her hat das Pausenbrot mehr zu bieten - bei gleichem Energiegehalt.
Wenn wir nun mit dem Vernaschen einer Süßigkeit gar nicht satt werden können (und sollen, denn wir sollen ja möglichst viele davon kaufen und essen), müssen wir eben noch mehr zu uns nehmen. Am besten noch einen Schokoriegel, ein Stück Schokolade oder noch einen Keks. Der Magen erreicht beim Naschen selten die Obergrenze seines Fassungsvermögens, und so passen viele Schokoriegel, Schokoladenstücke oder Kekse hinein.
Wir werden es leider nicht schaffen, das Lebensgefühl, das uns in der Werbung vermittelt werden soll (ein Versprechen ist es nicht, da es ja subtil mit der Darstellung der Ware in einer ganz bestimmten Situation einher geht), zu verspüren. Mit Schokolade und Keksen werden wir nicht glücklich. Wir können maximal den Genuss verspüren, ein vermeintlich schmackhaftes Lebensmittel zu uns zu nehmen (in dem Moment, in dem wir es zu uns nehmen) aber nach dem Verspeisen wird sich die Welt genauso darstellen wie vorher auch. Auch in diesem Zusammenhang werden wir also nicht gesättigt von dem, was wir genascht haben.
Überlegen Sie für sich, warum und wie Sie naschen.
Naschen Sie bewusst oder eher nebenbei?
Fühlen Sie sich nach dem Naschen gesättigt?
Notieren Sie sich ein paar Tage lang, wann und was sie genascht haben. Die Ergebnisse sind nicht nur für die Tage in der Vorweihnachtszeit interessant.
Bitte haben Sie keine Sorge, dass ich Ihnen raten werde, aufs Naschen komplett zu verzichten. Mir geht es um den verantwortungsvollen Umgang mit Naschwerk. Dazu ist es erst einmal nötig, eine Bestandsaufnahme zu machen.